Wie sag ich´s nur?
IMPULS vom 26.10.2026, Franz Arnold
Immer häufiger stellen mir Führungskräfte die Frage: „Wie sage ich´s nur?“. Dieser Satz ist oft Ausdruck des Unbehagens, eigene Anliegen nicht so vermitteln zu können, dass sie bei den Mitarbeitenden ankommen und etwas bewirken. Offenkundig wird es anspruchsvoller, im Kontext Führung erfolgreich zu kommunizieren.
Die Herausforderung wird von zwei Entwicklungen vergrößert: Auf der einen Seite gibt es zunehmend Anlässe, über die Arbeitsweise, das Verhalten, die Zusammenarbeit und die Ergebnisse zu sprechen. Auf der anderen Seite erleben wir häufiger Empfindlichkeit, Abwehr und Überforderung bei kritischer Ansprache.
Viele Menschen sind es nicht gewohnt, sich mit ihrem Verhalten und Handeln auseinander zu setzen. Weder Kritik noch Selbstkritik sind an der Tagesordnung. Das eigene Tun wird kaum hinterfragt. Die Fassade zeigt Selbstzufriedenheit. Autonomie und Individualität sind Werte in unserer Gesellschaft, die auch im Beruf viel Respekt und Abstand verlangen.
Aber es ist die Aufgabe der Führungskraft, die Belange des Unternehmens, der Arbeit, der Kollegen und der Kunden zu vertreten. Das bringt auch mit sich, Feedback zu geben – und das schließt ein, Kritik zu formulieren und Veränderungen einzufordern. Führung bedeutet, überzeugend zu kommunizieren.
Die Frage: „Wie sag ich´s nur?“ verkürzt das Thema. Kommunikation ist immer mehr als eine Mitteilung. Wer nur Ansagen macht, wird auf die Dauer wenig erreichen. Wenn wir etwas vermitteln und wenn wir uns verständigen wollen, dann gehören dazu auch Fragen an den Gesprächspartner. Und wir müssen in der Lage sein, zuzuhören und zu verstehen.
Es gilt der Satz: „Wer fragt, der führt“. Über Fragen erfahren wir, wie unser Partner die Lage und das Thema sieht. Wenn wir seine Sicht kennen, können wir treffender argumentieren. Die Kenntnis und das Verständnis der Position der Mitarbeitenden gibt uns die Möglichkeit, unser Anliegen individuell zu formulieren.
Die Erkundigung nach der Sicht der Mitarbeitenden ist auch der Königsweg, um mit Sensibilität und Empfindlichkeit umzugehen. Ohne diese gut zu kennen, können wir sie nicht berücksichtigen. Wenn wir die individuelle Verfassung und die damit verbundenen Erwartungen verstehen, können wir uns damit auseinandersetzen.
Damit zeigt sich aber auch, dass erfolgreiche Kommunikation in der Führung den Umgang mit der individuellen Persönlichkeit verlangt. Das bedeutet unter anderem, dass der Umfang und die Häufigkeit der Gespräche vom jeweiligen Gesprächspartner abhängen. Wir können Verständnis und Akzeptanz nicht erzwingen.
Um unsere Anliegen wirksam zu vermitteln, müssen wir uns auf die individuellen Wünsche, Anliegen, Bedenken und Ängste einlassen. Auf diesem Weg ist es möglich, Sichtweisen zu verändern, unseren Themen Geltung zu verschaffen und zu belastbaren Verabredungen zu kommen. Über den Weg echter Kommunikation lässt sich viel bewegen.
Ein wichtiger Aspekt in diesen anspruchsvollen Gesprächen ist das Streben nach einer Vereinbarung. Es reicht nicht, mal etwas gesagt zu haben. Wir müssen den Dialog über den Weg einer Verständigung zu einer Verabredung führen. Die angestrebte Veränderung sollte ausdrücklicher und einvernehmlicher Inhalt des Gesprächs sein.
Die Erfahrung zeigt, dass in erfolgreichen Gesprächen mit dem Ziel, Führungsanliegen zu vermitteln, die Mitarbeitenden den größeren Gesprächsanteil haben. Das ermöglicht ihnen, sich einzubringen, und dies schafft das Erleben, ernst genommen zu werden. Damit entsteht die Bereitschaft, sich auf die Anliegen der Führung einzulassen.
So sind erfolgreiche Mitarbeitergespräche eine große Herausforderung an die Persönlichkeit der Führungskraft: Wir müssen den Mitarbeitenden Raum geben und uns selbst zurücknehmen, und wir müssen unsere Argumentation und unseren Zeitansatz auf die individuellen Anforderungen abstimmen.
Wie sage ich´s nur? Die Antwort liegt nicht allein in guten Formulierungen. Entscheidend ist, wie wir das Gespräch führen. Dazu zählt auch, dass wir uns auf solche Gespräche vorbereiten und uns dann Zeit dafür nehmen. Gespräche zwischen Tür und Angel werden mehr Schaden als Nutzen erzeugen.
FA, 26.10.2026





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